Das Altkleidergeschäft

Vor ein paar Tagen habe ich auf meiner Facebook Seite gefragt, was denn eigentlich mit den Altkleidern von meinen „Fans“ passiert. Zur Auswahl stand, dass diese gespendet werden oder im Müll landen. 17 Personen haben abgestimmt, alle 17 Personen haben angegeben, dass ihre Altkleider gespendet werden… Die gängigste aller Methoden Altkleider zu spenden ist wohl der altbekannte Kleidercontainer. Hier wirft man einfach seine Klamotten rein und diese werden dann hilfsbedürftigen Menschen gespendet. Oder?

Ich persönlich konnte dieses Statement nicht ganz so unterstreichen und habe daher ein bisschen recherchiert. Man kennt ja die ein oder anderen Gerüchte, dass die gespendeten Sachen weiterverkauft werden oder gar nicht bei hilfsbedürftigen Menschen landen aber richtig darüber nachgedacht habe ich selbst z.B. noch nie. (Zugegeben, ich nutze diese Container auch nicht sehr häufig)

Wie läuft eine Kleiderspende ab?

Die Altkleidercontainer werden geleert und die darin gespendeten Sachen werden je nach Zustand aussortiert. Kleidung, die nicht mehr verwendbar ist, wird an die Rohstoffindustrie weiter gegeben um daraus z.B. Putzlappen zu fertigen (der Moderene Begriff hierfür ist Downcycling). Klamotten, die in einem sehr guten Zustand sind werden professionell gereinigt und entweder, im Fall von der Caritas Österreich:

  • kostenlos und direkt an Menschen in Not im In- und Ausland weitergegeben
  • in den sogenannten Carlas (Second Hand Läden der Caritas) an bedürftige Menschen gratis verschenkt (dies wird anhand von Gutscheinen umgesetzt) oder an privat Personen verkauft. Der Erlös wird für soziale Projekte eingesetzt
  • mit der Sammlung, Sortierung und Reinigung werden für sozial schwächere Menschen Arbeitsplätze geschaffen

Ich glaube so ungefährt stellt man sich eine Kleiderspende vor. Hier gelangst du zur Homepage der Caritas, wo du alles nochmal genau nachlesen kannst.

Die Unternehmen im Überblick

Ich habe auch ein paar Zahlen rausgesucht, die ich persönlich sehr interessant finde. Ich hätte mir ja nie vorgestellt, dass wir in Österreich insgesamt 80.000 Tonnen Altkleideraufkommen haben und davon sogar noch 60% tragbar ist. Die Caritas selbst gibt jährlich 150 Tonnen Kleidung (aus 1.400 Tonnen Altkleider in Wien gesammelt) an hilfsbedürftige Menschen weiter, viel durch die Gruft und die Gratiskleidergabe Carla.

Ich persönlich vertraue dem Unternehmen Caritas und würde meine Sachspenden dort hinbringen. Anders wiederum bin ich gegenüber dem Verein/Verband Humana etwas kritisch… Ich erzähle euch mal was ich so herausgefunden habe:

Den ersten kritischen Bericht über die Humana, den ich gefunden habe, stand aus dem Jahr 2011 und auch bei einem aktuellen Bericht aus 2017 wird das Geschäftsmodell dieses Vereins noch als undurchsichtig bezeichnet. Der Verein Humana hat seit 1986 bereits 100.000 Tonnen Altkleider gesammelt und verkauft diese in Second Hand Geschäften weiter. Anscheinend werden die Einnahmen zur Gänze für soziale Projekte in Afrika genutzt. Lt. einem Bericht aus 2013 jedoch kommt hervor, dass lediglich 3,1% der jährlichen Einkommen in Deutschland für soziale Projekte genutzt wurde (dies geht aus der Reportage von SWR – Marktcheck deckt auf hervor). Mehr als die Hälfte wird für Betriebskosten ausgegeben… Hmm… so hätte ich mir das jetzt nicht vorgestellt.

Humana selbst betreibt insgesamt 400 Second Hand Läden in ganz Europa, alleine in Berlin gibt es 12 davon. In allen Stores wird ausschließlich mit Sozialen Projekten geworben… Ich persönlich fühle mich gerade ein bisschen verarscht… Denkt mal daran, wie viel Geld bei alleine 400 Second Hand Läden zusammen kommt… und davon werden nur 3,1% für den eigentlichen Sinn hinter diesem riesigen Projekt ausgegeben. Pah!

Was jedoch alle Unternehmen gemeinsam haben ist der Zwischenhändler Öpular. Diese Firma ist für das Entleeren der Container zuständig, sowie für das Sortieren und den weiteren Verkauf. Ja genau den weitern Verkauf und Transport nach Afrika (ca. 32% der gesammelten Ware von Humana geht nach Afrika).

Mitumba – ein T-Shirt reißt um die Welt

Mitumba = ein Ausdruck für gebrauchte Kleidung in Afrika bzw. eine neu Modemarke

In dieser 50 minütigen Dokumentation, zugegeben sie zeugt nicht von bester Qualität, da sie aus dem Jahr 2011 stammt, wird der Weg eines T-Shirts verfolgt. Von Deutschland nach Italien von der Küste Afrikas ins Landesinnere, wo es schließlich seinen neuen Besitzer findet. Bis es jedoch den Endkonsumenten erreicht, finanziert dieses Shirt ganz schön viele Zwischenhändler!

Viele Menschen in Afrika sind mittlerweile schon abhängig von Mitumba. Warum? Weil sich gebrauchte Ware einfach günstiger verkaufen lässt als neu produzierte. Viele heimische Textilunternehmen und Fabriken haben schon geschlossen, weil sie keinen Profit mehr machen. Somit verschwinden auch viele Arbeitsplätze…

Es macht mich traurig, dass die Menschen glauben sie finanzieren somit auch ein bisschen die einzelne Person, die diese Klamotten hergegeben hat. Denn sie wissen nicht, dass diese Kleidungsstücke eigentlich für hilfsbedürftige Menschen gespendet wurden, gratis hergegeben ohne etwas zu verlangen… das glauben die Menschen in diesen Videos nicht.

 

Die ganze Welt verkauft Second Hand Kleidung nach Afrika, dieser Export finanziert sozusagen das Globale Geschäft des Altkleiderkreislaufes!

 

Das illegale Geschäft

Das man mit Second Hand Kleidung ziemlich viel Geld verdienen kann, haben mittlerweile schon einige private Unternehmer oder sogar die Mafia herausgefunden. Wie einfach es ist, zeigt der kurze Bericht von Marktcheck – deckt auf aus 2017

In dieser 40 minütigen Reportage werden die altbekannten Kleidercontainer mal genauer unter die Lupe genommen und siehe da, es gibt so einige Container, wo nicht erkennbar ist, welches Unternehmen da jetzt eigentlich dahinter steckt. Sogar die Polizei ermittelt schon.. Überall tauchen diese Sammelboxen auf und nirgendwo kann man erkennen, wer sie aufgestellt hat und wer denn hier sammelt. Einziger Hinweise ist eine Telefonnummer, die ins nichts führt.

Firmen kaufen sich die Boxen (ein Stück kostet ca. 400€) und stellen sie an Plätzen, wo die Polizei nicht eingreifen kann, ab und bekleben die Container mit Hilferufen von Menschen, dann werden sie entleert, aussortieret und die guten Kleider werden verkauft. Der Gewinn jedoch bleibt im Unternehmen bzw. beim Unternehmer.. ganz schön arschig, die Menschen so zu verarschen.

Es wird sogar ein Selbstversuch gestartet, wo sie Container aufstellen und die gesammelte Kleidung dann verkaufen, an einen Großhändler sowie in einem eigenen Pop Up Store. Wie viel Geld sie dabei eingenommen haben verrate ich jetzt nicht. Ich kann euch diese Reportage wirklich nur empfehlen.. Sie ist schon schockierend aber immerhin weiß man dann worauf man achten sollte.

Was tun mit meinen Altkleidern?

Grundsätzlich finde ich es wunderbar, wenn man sich dafür entscheidet, seine Altkleider zu spenden. Aber man sollte doch einfach mal genauer auf die Hintergründe achten. Ich persönlich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht ob diese Altkleidercontainer illegal aufgestellt sein könnten oder von welchem Unternehmen sie stammen. Ab sofort werde ich das jedoch machen.

  • Wähle Container mit einem Impressum darauf, dann kannst du sicher gehen, dass die Sammelbox nicht illegal aufgestellt ist. Um wirklich ganz sicher zu gehen, ruf bei der angeführten Telefonnummer an. Das sollte eigentlich Klarheit schaffen.
  • Höre auf Spendenaufrufe! Die Caritas z.B. veröffentlicht es, wenn Sachspenden dringend gebraucht werden. Auf der Homepage der Caritas kann man sicher alles genau nachlesen
  • Schau dich in deinem Ort um und hilf selbst mit Sachspenden den Menschen in deiner näheren Umgebung
  • Achte auf Facebook Gruppen – ich persönlich nutze die Gruppe Share & Care bei uns sehr gut. Darin werden auch immer wieder Aufrufe gestartet, weil man sich etwas neu nicht leisten kann aber darauf angewiesen ist
  • Bring deine Altkleider zum Österreichischen Roten Kreuz. Hier werden oftmals Flohmärkte veranstaltet und immerhin hilft das Rote Kreuz auch dir und hilfsbedürftigen Menschen
  • Verkaufe deine Kleider privat über Plattformen oder am Flohmarkt und spende das Geld

Eine weitere schöne Option ist natürlich private Second Hand Läden zu unterstützen, ich z.B. bringe meine Klamotten sehr gerne zu Daniela von Second Passion. Hier läuft es auch nach dem Prinzip nehmen und geben. Man bekommt also den Wert beim nächsten Kauf gutgeschrieben oder kann sich neue Kleidung vom selben Wert mitnehmen. Ich glaube dieses Prinzip gibt es in den meisten Second Hand Läden 🙂

 

Leider gibt es von allem immer eine dunkle Seite… aber das soll uns alle nicht daran hindern etwas gutes zu tun. Wir müssen nur ab und zu einfach die Hintergründe checken und hinterfragen. Solange wir das tun, steht dem Guten nichts mehr im Weg. Lasst euch nicht unterkriegen und sorgt weiterhin für einen langen Lebensweg eurer Kleidung 🙂 Bitte schmeißt sie nicht einfach weg. Jemand anderer hat immer Freude daran.

Habt ihr andere Erfahrungen gemacht bzw. etwas anderes gelesen? Dann lasst es mich wissen. Ich habe diese Zahlen und Fakten alle im Internet recherchiert und kann euch leider nicht sagen ob das alles der absoluten Wahrheit entspricht.. daher freue ich mich natürlich über andere Berichte und Selbsterfahrungen.

 

Quellen:

Artikel von News aus 2017

Artikel von FM4 aus 2011

Report von Marktcheck – deckt auf aus 2017

Caritas Homepage

8 Kommentare bei „Das Altkleidergeschäft“

  1. Auch wenns nur kurz angesprochen wurde – den Begriff „Downcycling“ höre ich das erste mal. Wieder was gelernt.
    Interessanter Beitrag, weiter so!

    1. Liebe Sabsi, downcycling ist auch nicht so weit verbreitet wie upcycling 🙂 daher hast du den Begriff ws noch nicht gehört. Es gibt ja für alles ein erstes Mal. :-* Bussi Anja

  2. Servus Anja!

    Ein wirklich super Artikel! Danke fürs Recherchieren – wirklich sehr interessant!

    Have fun
    Horst

    1. Servus Horst!
      Freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Hab ich gerne gemacht 🙂
      LG Anja

  3. Guten Morgen meine Liebe,
    ich bin direkt deinem Aufruf auf FB gefolgt und habe deinen Artikel gelesen.

    Super geschrieben und sehr aufklärend, genau das wissen viele nicht. Ich selbst vertraue auch der Caritas nicht. Habe vor einiger Zeit auch mal das Thema ein wenig untersucht und bin auf spannende Wege der Altkleiderverwertung gestoßen. (https://www.alttrifftneu.de/stiftung-warentest-upcycling/) In Kleidercontainer stecke ich daher gar nichts mehr! Vielmehr versuche ich gute Stücke auf dem Flohmarkt zu verkaufen oder unter Familie/Freunden zu verteilen. Manchmal landet bei uns auch etwas vor der Haustür, die Nachbarn greifen sich dann was sie wollen. Bei expliziten Spendenaufrufen bringe ich es direkt dorthin. Kaputte Kleidung wird meistens zu Putzlappen oder aber ein neues Kleidungsstück

    Liebe Grüße, Stefanie*

    1. Hi liebe Steffi 🙂
      Ah Danke dir, ich muss mir den Bericht mal durchlesen. Wie kurz erwähnt, versuche ich auch die Container so gut wie möglich zu vermeiden… Aber bei der Caritas hätte ich eig. schon ein gutes Gefühl gehabt…
      Liebe Grüße
      Anja

  4. Guten Abend,
    ich finde es so unheimlich wichtig dass du auf dieses Thema aufmerksam machst! Gerade das die Ganze Altkleider Sache die eigentlich tolle Textilindustrie Tansanias beispielsweise kaputt gemacht hat wissen so wenige Menschen, bzw wollen es ja gar nicht wissen. „Überkonsum gespendet und gleich fühlt man sich gut…“ ( die Marke KIpepeo macht da übrigens einen extrem guten Job, die letzten Verbliebenen Tansanischen Textilreste wiederaufzubauen.. so neben bei )
    Natürlich ist das Thema keine schwarz weiß malerei, aber ich finde es toll dass du es so gut beleuchtest!
    Wir haben bei uns in der Stadt eine Art Charity laden, bei dem der gesamte Erlös an Projekte gespendet wird, in welchen ich selbst teilweise schon mitgearbeitet habe. Da spende ich gerne Kleider.

    Außerdem zeigt das Ganze Thema nur einmal viel mehr wie übertrieben wir konsumieren. Denn nur jemand der dauern kauft und nicht richtig aufträgt kann auch so unheimliche Massen an kleidern spenden. Deswegen finde ich sollte man sich auch in diesem Punkt hinterfragen. Spende ich um mein Gewissen zu bereinigen ?

    LIebst Franziska

    unpetitsourireslowsdown.com

    1. Liebe Franzi,
      Danke dir für deine netten Worten. Es ist echt schön zu hören, dass dieses Thema so gut ankommt und für viele so unheimlich wichtig ist. 🙂
      Du hast so recht… wir konsumieren einfach viel zu viel und den meisten fällt es gar nicht auf. :-/
      Danke dir auch für die Tipps, ich werd mir die Marke mal in Ruhe ansehen.
      Ganz liebe Grüße
      Anja

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