Chemie in der Kleidung

Chemie in unserer Kleidung

Hattest du schon einmal eine allergische Reaktion auf etwas? Die Erfahrung muss gar nicht so heftig sein wie man im ersten Moment denkt… Ein jucken oder ein Hautausschlag alleine sind schon unangenehm genug… Ich habe vor einem Jahr auf einen Nagellackentferner allergisch reagiert. Schon beim ersten Mal als ich in benutzte hatte es mich unglaublich um die Nägel gejuckt. Beim zweiten Mal hatte ich schon ein paar Bläschen auf den Fingern, dennoch wurden mir erst bei der dritten Verwendung bewusst, dass ich auf den Nagellack allergisch reagierte. Jedes Mal, wenn ich das Produkt verwendete waren die Auswirkungen schlimmer… und jetzt stell dir vor, dir passiert genau das beim Tragen deiner Kleidung.

Falls du jetzt glaubst, dass dir das mit allem passiert nur nicht mit deiner Kleidung, dann muss ich dich leider enttäuschen  Denn in deinen Klamotten, die du tagtäglich auf deiner Haut trägst, verstecken sich unzählige Chemikalien. Viele Menschen reagieren auf diese Chemikalien allergisch und damit ist es leider nicht getan, denn so manches Chemiegemisch verursachen im den schlimmsten Fällen Krebs, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten.

Ich habe mal wieder ein bisschen für euch recherchiert und mir zwei Reportagen reingezogen  Ihr findet folgend die YouTube Links.

Giftige Kleidung – Chemikalien in der Modeindustrie

Einige Menschen erleiden durch das Tragen von herkömmlicher Kleidung, die man in jedem Fast Fashion Store kaufen kann, schreckliche Hauterkrankungen. Meistens reagiert die Haut allergisch darauf in Form von Rötungen, Juckreiz und Bläschen. Besonders betroffen sind Mitarbeiter in der Textilbranche! Und ich spreche hier nicht nur von den Menschen, die in der Produktion tätig sind, sondern von Mitarbeitern direkt in den Stores in Europa. Diejenigen die tagtäglich die Ware aus China auspacken und in die Regale einordnen… In der Reportage wird von einer Umfrage bei einem französischen Modehaus gesprochen – 340 Mitarbeiter werden befragt und die Hälfte der Mitarbeiter gibt an, schon unter plötzlichen Juckreiz und Rötungen gelitten zu haben. Wie schlimm die Menschen in den Färberein leiden müssen, will man sich ja eigentlich gar nicht ausmalen, oder?

Ich nenne euch ein Beispiel, damit ihr wisst, dass es solche Fälle auch in Deutschland und Österreich gibt: der DMF Skandal der Marke Graceland – Deichmann. 2008 wurden hier mehrmals Schuhe mit einem hohen DMF Anteil gefunden – dass die Chemikalie DMF schädliche Auswirkungen auf unsere Haut hat brauche ich hier jetzt nicht erwähnen, oder? Unter den Produkten war übrigens auch ein Kinderschuh… Hier gab es sogar eine Rückrufaktion (das schlimmste an der Sache: kein einziges Paar Schuhe wurde zurückgebracht).

Hier im Video mehr zu dem Graceland Skandal ab Minute 4.55

Wie gelangt die Chemie in unsere Kleidung? 

Die schädlichste Chemie in der Kleidung gelangt durch das Färben der einzelnen Klamotten in unsere Textilien. Der Prozess der Farbherstellung wird in drei Schritten vollzogen. 1. Farbpulver abschätzen 2. Wasser beimengen 3. Zubehör und fixier Mittel beimischen. Diese „fixier Mittel“ sind wohl das schädlichste für Mensch und Umwelt. Früher benutze man zum Färben der Textilien ausschließlich natürliche Mittel wie z.B. Blumen – heute werden bis zu 100 verschiedene chemische Stoffe beigesetzt. Bevor es dann für die riesigen Container voll mit der neusten Mode nach Europa geht, werden diese zusätzlich noch „begast“. Damit wird verhindert, dass die Ware im Inneren zu schimmeln beginnt. Bevor die Ware im Zielhafen ausgepackt und verladen wird, werden die Container geöffnet und eine halbe Stunde ausgelüftet! Erst dann dürfen die Mitarbeiter rein, um mit dem Entleeren zu beginnen. WTF??

Die REACH-Verordnung

Die sogenannte REACH-Verordnung ist eine EU-Chemikalienverordnung die 2007 in Kraft getreten ist. Diese Verordnung steht für die Zulassung und Beschränkung von Chemikalien in der Textilbranche. Das bedeutet, dass bestimmte Stoffe in der EU verboten sind. Wenn sich also ein Unternehmen dazu entscheidet, seine Mode außerhalb der EU produzieren zu lassen, muss sichergestellt werden, dass der Hersteller diese Verbotenen Stoffe nicht benutzt. Leider gibt es da eine kleine Lücke in dieser Verordnung… Denn die Subunternehmer, also in den meisten Fällen die Färberein, sind in diesem Prozess ausgeschlossen. Der Textilverkäufer muss also nur sicher gehen, dass der Produzent, von dem er die Ware direkt erhält diese Stoffe nicht verwendet… Somit gelangen noch genügend giftige Kleidungsstücke nach Europa.

Die Umstände in den Färbereien will man sich eigentlich nicht ausmalen. Kinder und Erwachsene arbeiten in stickigen heißen Färbereien ohne jegliche Schutzkleidung… Wenn du mehr wissen bzw. sehen willst, dann überzeug dich in den Reportagen selbst. Die Reporter haben mit versteckten Kameras die Umstände gefilmt.

Wie kann ich sicher gehen, dass ich chemiefreie Kleidung trage?

Schwer zu sagen… Laut Gesetz muss dir ein Unternehmen Auskunft darüber geben, welche Stoffe in deinem T-Shirt/in deinen Schuhen drin sind… Aber ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass du hier jemals eine vollständige und wahre Antwort darauf bekommst. Ich persönlich denke, dass nicht mal die Unternehmen selbst wissen, was in den Klamotten alles drin ist…

Fakt ist, dass viele Chemikalien durch das ständige Waschen aus der Kleidung „verschwinden“. Dies löst zwar nicht das eigentliche Problem, da nach den tausend Waschgängen zwar in erster Linie nicht mehr wir leiden aber im nächsten Schritt bekommt unser wunderschöner Planet mal wieder alles ab – wie immer. Für die erste Selbstschutzmaßnahme reicht es aber. Wenn man die Kette aber dann verfolgt, gelangt die Chemie dann aber sowieso am Ende wieder bei uns. (Unsere Kläranlagen filtern diese Chemikalien nicht und so gelangen sie ins Grundwasser und auf unsere Felder und zum Schluss also wieder bei uns). Um es aber auf den Punkt zu bringen: Wie immer ist Second Hand also eine Lösung solltest du dich vor Chemieangriffen schützen wollen, dann greif zu Second Hand, denn diese Klamotten wurden definitiv schon öfter gewaschen.

Um den Chemiebomben aber vollkommen aus dem Weg zu gehen, solltest du am besten auf Fair Fashion setzen.

Kleider sind giftig – für Menschen, die sie herstellen, für Menschen, die sie verkaufen und für Menschen, die sie tragen.

Spiegel TV Wissen – „Giftige Kleidung – Chemikalien in unserer Kleidung“

Mich würde jetzt mal interessieren, ob du schon einmal so eine schmerzhafte Erfahrung machen musstest. Hast du schon mal auf deine Kleidung allergisch reagiert? Lass es mich wissen!

4 Kommentare bei „Chemie in der Kleidung“

  1. Liebe Anja, ganz toll geschrieben! Ich habe selbst noch nicht allergisch reagiert, trage auch hauptsächlich Second Hand Kleidung 🙂 Die Zustände in den Fabriken sind schrecklich 🙁 Dein Blogpost wird natürlich gleich geteilt!

    1. Hi Anita, danke dir 🙂 Freut mich das er gefällt.
      Ich hatte das Gott sei Dank auch noch nie… vielleicht liegt es wirklich daran, dass auch ich viel Second Hand trage.
      Danke fürs Teilen
      LG Anja

  2. Liebe Anja!

    Super Artikel! Ich schreibe gerade an einem ausführlichen Artikel zur Ausbeutung von Umwelt & Mensch durch die Industrie. Neben der Textil-Industrie geht es darin dann auch um Pharma- und Nahrungsindustrie.

    Deinen Artikel verlinke ich sehr gerne bei meinem Absatz zur Textilindustrie.

    Have fun
    Horst

    1. Hey Horst, vielen Dank das freut mich sehr zu hören!
      Bin schon sehr gespannt auf deinen Artikel 🙂
      LG Anja

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